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No More Heroes (Action-Adventure) – No More Heroes

Auf dem Klo wird gespeichert. In der Limousine wird gevögelt. Auf der Straße rollen die Köpfe. Neugierig geworden? Also steht ihr auf Gewalt, Sex und Humor à la Tarantino? Dann müsste No More Heroes theoretisch eure Nerven treffen. Das Spiel von Grasshopper Manufacture entführt in die blutige Welt des kalifornischen Städtchens Santa Destroy. Und hier geht es nur um eines: Sich nach oben töten. Geniales Kunstwerk oder morbide Katastrophe?

© Grasshopper Manufacture / Eidos / XSEED Games

Das Kampfsystem

Es wird auch fleißig gerungen: Im Laufe des Spiels lernt ihr einige Wrestling-Moves, die auch in den Bosskämpfen sehr effektiv sind.
Im Gegensatz zu Red Steel, wo das Schlagen über echte Hiebe mehr schlecht als recht simuliert wurde, gibt es hier eine weniger realistische, aber dafür präzisere Variante: Ihr fixiert einen Feind, könnt komfortabel um ihn herum pirschen und haltet die Remote entweder in niedriger oder hoher Position, um die Art des Schlages festzulegen. Je nachdem, welche Blocks eure Gegner setzen, müsst ihr sie also lediglich anheben oder senken. Danach drückt ihr den A-Knopf, um den Angriff auszuführen – echtes Herumfuchteln ist nicht nötig.

Ist das jetzt eine gute Entwicklung? Mutig ist es jedenfalls nicht, denn das echte Schwingen wird zugunsten eines schnöden Haltungswechsels gar nicht erst versucht. Das wäre angesichts des hohen Kampftempos vielleicht auch fatal, denn Travis kann seine Hiebe nicht nur für mächtige Rundumattacken aufladen, sondern ein wahres Feuerwerk an Hieben und Kombinationen auf seine Gegner niederprasseln lassen, bis irgendwann das Symbol für den Todesstoß erscheint: Ein Pixelpfeil in eine bestimmte Richtung. Erst jetzt müsst ihr aktiv mit der Remote nach links, rechts, oben oder unten schlagen, um den finalen Schlag auszulösen, der dem Feind den Kopf abtrennt oder gleich in der Mitte spaltet.

Mit dem Katana könnt ihr auch Geschosse abwehren. Das Kampfsystem ist einfach, rasant und effektiv.
Danach erscheinen drei Symbole wie bei einem Glücksspielautomaten in der Pommesbude – Glocken, Frösche, Kirschen, Zahlen etc. Habt ihr drei identische, dann kommt ihr je nach Symboltyp in einen der fünf Spezialangriffsmodi: Ihr werdet ultraschnell und tötet alles in der Nähe; die Szene wird überbelichtet und ihr bekommt plötzlich ein Pixelfadenkreuz alter Schule, um damit auf die verbleibenden Feinde zu ballern; ihr kommt in eine Art Berserkerwut und macht jeden Gegner mit einer Kombo nieder; eure Feinde werden verlangsamt; ihr könnt eine alles erschütternde Explosion auslösen. Gerade diese Smartbombs können einen Level in null Komma nichts leerfegen.

Retro trifft Moderne

Der Komborausch aus Münzen und Blut erinnert an die Explosionsorgien von Vertikalshootern. Diese Stilbrüche überraschen immer wieder und machen den unverkennbaren stilistischen Reiz des Spiels aus: Retro trifft Moderne. Allerdings nutzt sich das Stakkato an visuellen Explosionen sehr schnell ab, denn es wiederholt sich einfach zu oft. Der Rausch ist allgegenwärtig, wird nicht langsam gesteigert und sieht immer gleich aus.

Noch ein letzter Blick auf die technisch schlechteste Variante einer „Open World“, die mir bisher begegnet ist: Santa Destroy.
Abseits dieser Hiebe kann Travis auch Tritt- und Wurftechniken einsetzen. Wenn er einen Gegner über das wuchtige Anrempeln oder einen Kick ins Taumeln bringt, kann er ihn greifen und spektakulär wie ein Wrestler zu Boden schmettern. Hier wird es schon kniffliger mit dem Erfolg, denn es erscheinen zwei mal jeweils zwei Richtungspfeile – man muss z.B. Nunchuk nach oben und Remote nach links bewegen, um einen Schulterwurf auszulösen. Auch in den Bosskämpfen kann die Wrestlingtechnik sehr hilfreich sein.

Das Blocken funktioniert auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad automatisch, indem man den Gegner fixiert – dann werden seine Schläge pariert. Auch in den großen Duellen kann man damit erfolgreich Geschosse ablenken. Allerdings ist es bei Feinden mit Schusswaffen auf Dauer sinnvoller, per Seitwärtsrolle über das Steuerkreuz auszuweichen, damit man sich ihnen ohne Verluste nähern kann. Außerdem sollte man immer ein Auge auf die Energie des Katana haben: Ist die auf Null, muss man sie über das wilde Remote-Schütteln wieder füllen. Die Haltung dabei erinnert übrigens nicht nur entfernt an die Mechanik des Masturbierens.