Eine Einkaufsliste voller Kleinigkeiten

Gegnerplatzierungen sind derweil grundlegend durchdacht und wirken nicht wahllos, wenn man von den unendlich spawnenden Standardgegnern in Umbral absieht, die alleine nie zur Bedrohung werden, aber mit ihren Scharen selbst simplere Begegnungen in echte Albträume verwandeln können. Dazu kommen viele Abkürzungen, etwa durch herabfallende Leitern oder verschlossene Türen, die häufig aber alles andere als sinnvoll sind und auf die Navigation durch die Gebiete manchmal überhaupt keinen Einfluss haben. Vor allem Fahrstühle sind nervig statt hilfreich: Dank automatisch schließender Türen lassen sich die nämlich nicht durch das Betätigen des Bodenschalters zurückschicken, sondern müssen mühsam mit Hebeln gerufen werden – eine sehr fragwürdige Entscheidung.
Auch die Verteilung der Checkpoints ist häufig alles andere als nachvollziehbar: Neben den festen Überresten, die mal Kilometer lang auseinanderliegen und dann wiederum nur einen Katzensprung voneinander entfernt sind, gibt es noch eine Vielzahl an Umbral-Blumenbeeten, an denen ihr mithilfe eines Überrestesamens einen temporären Speicherpunkt erschaffen könnt. Hier scheint es der Gärtner ein wenig zu gut gemeint zu haben: Die auf euren Samen wartende Erde ist an jeder Straßenecke Axioms zu finden, teilweise in Sichtweite voneinander. Das verleiht mir zwar eine Menge Optionen, um mir einen Standpunkt für meinen Checkpoint in Eigenregie zu überlegen, ist in der schieren Menge aber alles andere als nötig gewesen.
Atemberaubendes Axiom und unwirkliches Umbral

Die Grafik ist bekanntlich nur die halbe Miete, doch auch in Sachen Artdesign weiß Lords of the Fallen zu begeistern. Zwar finden sich Soulslike-typisch auch düster-dröge Höhlen und Giftsümpfe in matschigen Braun-Grautönen, trotzdem wird mit brennenden Dörfern, von knallroten Pflanzen umrankten Klöstern und funkelnden Schneelandschaften jede Menge optische Abwechslung geboten. Der Star des Spiels ist allerdings Umbral, das mit seinen außerirdischen Strukturen und gewaltigen, gesichtslosen Kreaturen, die regungslos dasitzend für eine wirklich bizarre Kulisse sorgen, in exorbitanten Maßstäben beeindruckt. Verstörend und gleichzeitig wunderschön: Hier zückt man trotz Gegnerhorden gerne mal den Fotomodus.
Wenn das Orchester die Stille zerreißt
In Sachen Soundtrack fährt Lords of the Fallen die konventionelle Soulslike-Schiene: Beim Erkunden der verschiedenen Gebiete herrscht atmosphärische Ruhe, um das Schwertersurren, das fleischige Feedback, das Gegnergeschrei und die gehetzten Schritte meiner Kriegerin auf dem nachgebenden Schlamm- oder festen Steinboden zur Geltung zu bringen. Betrete ich jedoch eine Bossarena und bekomme eine Lebensleiste am unteren Bildschirmrand zu sehen, springen Streicher, Bläser, Trommler und theatralische Chöre aus dem Orchestergraben und musizieren sich die Seele aus dem Leib. Auch wenn die Begegnungen zumindest spielerisch nicht immer für einen pochenden Puls sorgen, hält das das Orchester nicht von einer entsprechenden Dreingabe ab.


