Und plötzlich ist unten dort, wo gerade noch oben war. Was das heißt? Das heißt, die junge Dame fällt an die Decke, als wäre dort das Zentrum der Schwerkraft. Und dann hebt sie diese falsche Schwerkraft einfach auf, verlegt sie dorthin, wo eine fliegende Insel hoch über den Wolken schwebt, und fällt sofort drauf zu… Der Vorgänger war eines der aufregendsten Erlebnisse auf Sonys Vita-Handheld! Deshalb muss Gravity Rush 2 im Test erst mal beweisen, dass dieser freie Fall auch auf PlayStation 4 Spaß macht.
Etwas ärgerlich sind sogar die ebenfalls oft nicht sichtbaren Kristalle. Dabei braucht Kat die Edelsteine, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln, also z.B. mehr Angriffe oder Ausweichrollen aneinander zu reihen. Schön übrigens, dass sie nicht sämtliche Fertigkeiten neu lernen muss, sondern im Wesentlichen dort weitermacht, wo sie nach dem Finale des Vorgängers aufgehört hatte.
Anstatt also zähes Grundlagentraining zu betreiben, rüstet sie Talismane aus, die ihr besondere Eigenschaften verleihen. Dann verbrauchen verschiedene Bewegungen weniger Energie, richten mehr Schaden an oder haben eine größere Reichweite. Man kann Talismane sogar miteinander verschmelzen, um ihre Besonderheiten zu kombinieren. Auch wenn sich spielerische Unterschiede mit verschiedenen Talismanen in Grenzen halten, entwickeln alle Spieler
Und wo findet Kat die wertvollen Steine? Dafür reist sie zwischen den Missionen in mehrere Schürfgebiete, wo ihr nicht nur zahlreiche Kristalle, sondern hin und wieder auch ein Talisman in die Hände fällt. Mit anderen Tätigkeiten abseits des roten Fadens verdient sie ebenfalls Edelsteine, solche Beschäftigungen dienen aber vor allem der Abwechslung und dem Erkunden der aus vielen Inseln bestehenden Städte.
So erledigt die Heldin im Wettlauf gegen die Uhr Nevi, liefert Zeitungen aus oder sucht Schatzkisten. Von deren Aufenthaltsort erfährt sie, wenn sie die von anderen Spielern online gestellten Fotos des Fundortes richtig deutet. Anschließend macht sie selbst ein Foto und stellt es ebenfalls online zur Verfügung. Auch ihre Bestzeit einer gemeisterten Herausforderung kann sie an Freunde oder zufällige Spieler schicken.
Abstellen darf man die (sehr wenigen) Anzeigen der Online-Herausforderungen zwar nicht, in dem beschwingten Gravity Rush 2 empfinde sich allerdings nicht als aufdringlich. „Schnitt – und Szenenwechsel!“
Viel eher stört mich der Ablauf einiger Missionen, darunter freiwillige, in kleine Geschichten eingebettete Aufgaben. Denn manche wirken wie aus dem Ganzen gerissene Herausforderungen, denen die Substanz voll ausgearbeiteter Spielelemente fehlt. Mitunter wirbelt Kat nämlich nicht mit aller Kraft, sondern erledigt Botengänge oder darf von Wachen nicht gesehen werden. Ersteres bedeutet oft müßiges Suchen eines nicht markierten Ziels und Letzteres ein banales Vorbeilaufen, bei dem fast jeder vermeintlich clevere Umweg damit bestraft wird, dass Kat ohne Vorwarnung entdeckt wird.
Einerseits gefällt mir die Abwechslung, weil sie dem zweiten Gravity Rush Farbe verleiht: Es ist kein profanes Actionfeuerwerk, sondern ein umfassendes Abenteuer mit vielen einzigartigen Episoden. Wird Kats Handlungsfähigkeit eingeschränkt, verliert das Spiel jedoch an Schwung; das gelegentliche Katz-und-Maus passt einfach nicht zu der stürmischen Heldin und ihren brachialen Fähigkeiten. Abgesehen davon werden Missionen gerne von Comic- oder Filmszenen unterbrochen, bevor sich Kat plötzlich an einem anderen Ort befindet. In solchen Augenblicken fühle ich mich mehr aufgehalten als unterhalten.