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EA Sports MMA (Sport) – EA Sports MMA

Dass der Erfolg von THQs Mixed Martial Arts-Spielen rund um die Ultimate Fighting Championship die Konkurrenz auf den Plan rufen würde, war vorhersehbar. Doch bevor sich Ubisoft mit dem Kinect-Prügler Fighters Uncaged oder 505 Games mit Supremacy MMA zu Underground-Kämpfen ruft, geht EA als erstes auf Konfrontationskurs und schickt MMA in den Ring. Kann das neue Spiel des Tiburon-Teams (Madden NFL, Tiger Woods PGA Tour) den Sprung vom Underdog zum Champion schaffen?

Magere Karriere

Dass die Karriere abseits des Trainings dennoch nicht richtig durchstartet, liegt an zwei Faktoren. Zum einen: Man ist als Figur und Entscheidungsträger nur rudimentär eingebunden. Die Kämpfe werden von anderen eingetütet, man hat keine Interviewmöglichkeiten und weiß gegen Ende nicht wohin mit seinem Geld, das sich schon schnell als wertlos erweist.
Zum anderen: Die KI ist auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad keine Herausforderung und hat auch auf den höheren Niveaus Schwierigkeiten, sich an den Kampfverlauf oder die Historie meines Kämpfers anzupassen.
Wenn ich in 18 Kämpfen 18 Siege durch Submissions einfahre und der Gegner im 19. Kampf nichts Besseres zu tun hat, als einen Bodenkampf zu provozieren, anstatt im Stand-Up zu bleiben, habe ich berechtigte Zweifel, dass die KI meiner Karriere

Bodenkampf und Takedowns gehören zu den Elementen, die nur eingeschränkt gelungen sind.
folgt und sich dementsprechend darauf einstellt. Und dass, obwohl in einem fiktiven Blog ein MMA-Kenner jeden meiner Schritte auf der Leiter nach oben verfolgt und kommentiert.

Einzig die Möglichkeit, sich von Zeit zu Zeit für eine neue Kampf-Liga entscheiden zu müssen, in der man sich zum Titelgürtel prügelt und dabei auf unterschiedliche Regelsets und Ringformen (Kreis, klassisch, eckig) trifft, macht die Karriere einigermaßen interessant.

Online-Schlachtplan

Geht man zusammen mit einem Kumpel in den Käfig, nehmen Dramatik und Dynamik ungleich höhere Ausmaße an. Man kämpft, man schimpft, man schreit sich an, man schimpft auf die Kampfrichter nach einer nicht nachvollziehbaren Punktwertung. Und man fordert eine Revanche – wieder und wieder, was auch dem leichten Einstieg und dem im Vergleich zu UFC deutlich eingängigeren Kontrollsystem zu verdanken ist.

Noch interessanter dürften die Kämpfe in den verschiedenen Online-Modi sein. Zumindest in den Käfigkämpfen auf den EA-Testservern, die nur in Ausnahmefällen mit zwar störenden, aber nicht Spiel beeinflussenden Lags auf sich aufmerksam machten, kam selten Langeweile auf. Was vor allem der Idee geschuldet ist, selbst die „schnellen“ Kämpfe zu einem Wettbewerb um Gürtel in den verschiedenen Gewichtsklassen zu machen. Das Matchmaking in diesem Bereich -und nicht zu vergessen, das Verhindern des „Ercheatens“ guter Ergebnisse- muss sich im Live-Betrieb zwar erst noch einer Belastungsprobe unterziehen, aber dürfte mit der Erfahrung von EA Sports im Online-Bereich das geringste Problem sein. Und Motivation sollte mit diesem Modus ausreichend aufgebaut werden: Jeweils 45 Gürtel-Ränge in der normalen als auch der „Meister-Division“ gilt es zu durchlaufen.

Abseits des schnellen Spieles kann man sich auch als Fight Card-Veranstalter die Zeit vertreiben und sich mit bis zu zehn Freunden in privaten oder anderen MMA-Spielern in offenen Matches messen. Diese sich nicht auf die Ranglisten und die Rennen um die Titelgürtel auswirkenden Fight Cards sind aber nur der Vorgeschmack für das I-Tüpfelchen des Online-Modus: Die EA Sports Live Broadcasts.
Hier sondieren Promoter von Electronic Arts die Community und picken sich Kämpfer heraus, die durch eigens hergestellte „Hype-Videos“ oder besondere Aktionen auf sich aufmerksam gemacht haben. Das Ziel ist eine wöchentliche Live-Show, in der um Ruhm und Ehre, aber auch um Preise gekämpft wird. Der Clou: Diese Kämpfe werden live von einem Kommentatoren-Duo analysiert. Und schaut man sich das Ergebnis an, beginnt just in diesem Moment die Magie zu wirken. Was die Sprecher im Spiel nur eingeschränkt schaffen, nämlich Hintergrundwissen mit Enthusiasmus und dem Eingehen auf die jeweilige Situation zu verbinden, schaffen die zwei mit spielerischer Leichtigkeit, wie man auch dem Live-Broadcast-Video entnehmen kann, das im Vorfeld des Releases entstanden ist.

Doch auch hier bleiben einige Fragen offen: Was sind die Maßstäbe, um für diese „Premium Fight Cards“ ausgewählt zu werden? Kann der angestrebte wöchentliche Turnus aufrecht erhalten werden? Flaut das Interesse der Community 

Die größtenteils lagfreien Online-Modi sind ein Motivations-Garant.
irgendwann ab, da man ohnehin kaum reelle Chancen hat, aktiv daran teilzunehmen? Doch ungeachtet der Antworten ist die Implementierung dieses Services ein Zeichen dafür, wohin sich Sportspiele im Allgemeinen im Online-Bereich entwickeln könnten.

Stimmungskiller

Es war häufig von diesem offensichtlich innerhalb des Teams vorhandenen (oder vorgegebenen?) Zwang die Rede, „anders“ als UFC zu sein. Und nirgendwo werden die negativen Auswirkungen deutlicher als bei der Präsentation und den Einmärschen. Ja, ich weiß: Beim UFC Undisputed 2010-Test habe ich mich noch beklagt, dass die stimmungsvollen Einmärsche der Kämpfer nicht integriert wurden.