Neben Attentaten und Missionen mit Stealth-Einschlag gibt es noch ein paar andere Aufträge. Als Bote liefere ich eine Nachricht unbemerkt bei einem Widerstandskämpfer ab, verfolge eine Verräterin oder prügle Informationen aus einer flüchtigen Person heraus. In letzterem Fall darf ich nicht versehentlich mit dem Schwert zuschlagen und auch nicht mit meiner schicken kleinen Klinge aus dem Ärmel zustechen. Stattdessen wähle mit einem Druck auf das untere Dreieck des Steuerkreuzes die bloßen Fäuste an. Zwischendurch gibt es mittelmäßig synchronisierte Zwischensequenzen in Echtzeitgrafik zu sehen.
Aber fast immer, wenn ich voller Enthusiasmus zum Zielpunkt über die Dächer gekraxelt bin, wurde ich kurz darauf vom einförmigen Kampfsystem enttäuscht. So abwechslungsreich sich die Missionen auf den ersten Blick geben – am Ende wurde ich meist doch wieder von drei Kämpfern umringt, die ich mit den immergleichen Kombos und Konterattacken beseitigen musste. Während des Gefechts drücke ich im richtigen Rhythmus auf die Quadrat-Taste, um eine Reihe einfacher Schlagserien und im Idealfall einen tödlichen Nachschlag auszulösen. Oder ich warte mit bombenfester Deckung auf den ersten Angriff meines aufgeschalteten Gegners und starte einen Sekundenbruchteil später einen Konter. Wie in einem guten alten Spaghetti-Western warten die übrigen Schläger meist brav darauf, bis sie an der Reihe sind. Selbst wenn es ihnen zu bunt wird und sie doch attackieren, lässt sich meine Deckung problemlos wechseln. Schlimmstenfalls werde ich ein bisschen über den Hof oder gegen eine Wand geschleudert. Letzteres kostet mich aber auch nur einen Punkt auf der großzügigen Energieleiste, welche sich schnell wieder erholt.
Pimp my Knife
Im Shop lassen sich Energie, Tarn-Fähigkeit, Wurfmesser-Vorrat und andere Eigenschaften meines Helden ein wenig aufmotzen. Bezahlt wird mit den Templer-Münzen, welche auf Dächern und in Nischen versteckt liegen. Auch durch Nebenmissionen lerne ich die im Spiel besuchten Städte besser kennen. Während ich durch die Gassen laufe, zeigt ein Symbol z.B. an, dass eine unbewaffnete Anwohnerin von Templern bedroht wird. Leider endet die Szene wieder einmal im üblichen Kampf-Trott gegen ein Grüppchen mich umkreisender Krieger.
Um nach dem erfolgreichen Kampf nicht in ein weiteres Scharmützel mit patrouillierenden Wachen zu geraten, klettere ich wieder auf die Dächer und turne zum Zielpunkt meiner nächsten Hauptmission. Dank vieler kleiner Vorsprünge und überstehender Steine gelange ich fast immer in Sekundenschnelle nach oben – zumindest, wenn mit die Steuerung keinen Strich durch die Rechnung macht. Zu Beginn stoße ich mich noch viel zu oft von Wänden ab, die ich eigentlich erklimmen wollte. Mit der Zeit lässt sich die Steuerung auch ohne einen zweiten Stick einigermaßen in den Griff kriegen. Trotzdem hätten die Entwickler eine weniger starre Kamera einbauen können. Halte ich die L-Taste gedrückt und bewege die Sicht mit den vier Aktionstasten umher, lässt sich die Umgebung nicht immer so einfangen, wie ich es mir wünsche – gerade nach oben und unten fehlt vor Kletteraktionen oft der Überblick, was mitunter mit einem beherzten aber tödlichen Sprung in die Tiefe mündet.
Ausflug über die Dächer
Diesmal hat mein Alter Ego den Aufprall überlebt, doch die Aktion hat eine Patrouille aufgescheucht. „Warum läuft er?“ fragt ein hinter mir stehender Gegner. Das Augen-Symbol verrät mir, dass er mich misstrauisch beäugt. Also halte ich die X-Taste gedrückt und schlurfe langsam und mit gesenktem Haupt an meinen Feinden vorbei. Diese Gebetspose wird „Untertauchen“ genannt. Im ersten Teil ergab die Bezeichnung noch Sinn: Dort wirkte es mitunter tatsächlich so, als würde Altair sich unauffällig durch eine Menschenmenge wurschteln. Doch auf der PSP wirkt der Begriff albern: Wenn zwei bis drei Passanten über einen großen Platz irren, kann man wohl kaum von einem Untertauchen in der Masse sprechen. Die zypriotischen Einwohner sind zudem nicht gerade mit Intelligenz gesegnet. Zu ihren liebsten Hobbys gehört stures Marschieren gegen massive Wände und das Tauchen, nachdem sie in voller Montur vom Steg ins Wasser geplumpst sind. Zum Glück stellen ihre Besatzer sich nicht ganz so dumm an.




